Vom (Nach-)Denken

Als mich die Anfrage der Social-Media-Beauftragten der DGSA erreichte, ob ich Lust und Zeit hätte, etwas für den Blog der DGSA zu schreiben, war ich nicht nur positiv überrascht, dass „die Macher*innen“ mich überhaupt gefunden hatten, ich freute mich besonders, dass sie mir die Gelegenheit geben wollten, zumindest einen Teil meiner Gedanken mit den Leser*innen zu teilen. „Zu welchem Thema soll ich denn schreiben?“, fragte ich die Verantwortliche. „Das Thema können Sie im Grunde frei wählen (irgendwie Pre-Con)“, kam prompt als Antwort. Und ich sagte kurzentschlossen zu. Und damit begann die Herausforderung… Was würden die Leute denn hören, bzw. lesen wollen? Wozu wollte ich mich denn eigentlich äußern? Und wie konnte ich das mit der Pre-Con verbinden?

Die Anfrage fiel (glücklicherweise) mit dem Semesterstart zusammen und so konnte ich sie zunächst einmal auf die lange Liste der Dinge schieben, die ich so nebenbei noch machen wollen würde, wenn es der ganz normale Alltags-Wahnsinn des beginnenden Semesters mal zulassen würde. Begleitet hat mich die Frage danach, was ich hier aufschreiben werden würde dennoch permanent. Wie eine unsichtbare Fliege schwirrte sie in meinem Kopf umher und trieb mich um. „Irgendwie Pre-Con“, säuselte sie mir immer wieder mal ins Ohr.

„Pre-Con“, gemeint ist die erste Vorkonferenz für den „wissenschaftlichen Nachwuchs“ der Sozialen Arbeit im Vorfeld der DGSA Jahrestagung 2018. Den Begriff „wissenschaftlicher Nachwuchs“ benutze ich trotz der Infantilität, die durch ihn tendenziell transportiert wird. Denn zugegebenermaßen hat sich der „wissenschaftliche Nachwuchs“ der DGSA, mich eingeschlossen, zwar getroffen und sich unter anderem mit diesem Begriff kritisch auseinandergesetzt. Doch ersetzen konnten wir die Formulierung bis dato nicht. Immerhin haben wir ein Netzwerk gegründet, um den Austausch fortzusetzen.

Kritische Auseinandersetzung, miteinander reden und diskutieren, vernetzen und Ideen entwickeln… da haben wir ja alles richtig gemacht, denn genau das, war das Ziel der ersten Vorkonferenz für die Promovierenden und Promotionsinteressierten in und aus der Sozialen Arbeit im Jahr 2018 in Hamburg. „Ich war dabei!“ Sich mit Menschen auszutauschen, die in ähnlichen beruflichen Phasen steckten wie ich, die aber gleichzeitig auch aus meiner Profession kamen – großartige Idee! Und gleichzeitig, durch die Öffnung der Pre-Con für Promotionsinteressierte, auch die Möglichkeit bot, andere „Nachwuchsler*innen“ für wissenschaftliches Denken und Arbeiten als einen Bestandteil der Sozialen Arbeit zu begeistern, sie zu ermutigen, den Schritt der Promotion zu wagen, das war doch eine geniale Idee! Da musste ich einfach hin.

Daran musste ich denken, als ich zu Beginn des Semesters wieder vor einer Gruppe von „Erstis“ im Bachelorstudiengang Soziale Arbeit stand, die ich mit einem Seminar zur „Einführung in das wissenschaftliche Denken und Arbeiten“ beglücken durfte. Und manch eine*r mag bei der Formulierung „beglücken“ schmunzeln oder aber die Stirn runzeln. Aber ist es nicht wirklich ein Glück, in der Arbeit zum intensiven Nachdenken aufgefordert zu sein und anderen den nötigen Raum schaffen zu können, dasselbe zu tun? Das Seminar gibt mir die Möglichkeit, einige Studierende der Sozialen Arbeit gleich von Beginn des Studiums an für die Wissenschaft zu begeistern. Darunter verstehe ich zunächst einmal, sie zu ermutigen, Fragen zu stellen, vor allem scheinbar Selbstverständliches zu hinterfragen und sich kritisch mit vermeintlich unumstößlichen Gegebenheiten und behaupteten Tatsachen auseinanderzusetzen. Und egal, ob sie nach dem Studium mal in der Wissenschaft oder einem anderen Arbeitsfeld „landen“, die Kompetenz und auch der Mut, Fragen zu stellen und Dinge zu hinterfragen, werden hoffentlich den/die eine*n oder andere*n weiterhin begleiten.

Und ist es nicht das, worum es im Grunde nicht nur auf der Vorkonferenz und in der Gruppe des wissenschaftlichen Nachwuchses, sondern auch in jedem Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit geht? Geht es nicht genau darum, die Augen offen zu halten und neugierig zu sein? Geht es nicht darum, den Mut zu haben, Dinge, z.B. soziale Ungleichheiten, hemmende Rahmenbedingungen und strukturelle Schwierigkeiten aufzudecken, zu thematisieren und zu kritisieren? Und das sowohl in der Praxis, als auch der Lehre sowie der Forschung und Wissenschaft. Sollte das Denken und Fragen also nicht eine Grundkompetenz des, wo auch immer hinterher arbeitenden Nachwuchses der Sozialen Arbeit sein? Ich würde sagen: Unbedingt!

Und was machen die Sozialarbeiter*innen dann mit ihren Gedanken und konkreten Ideen, mit ihren Befürchtungen und ihrem Ärger? Im besten Falle teilen sie diese mit Kolleg*innen, tauschen sich über Beobachtungen und Fragen aus, diskutieren sie gemeinsam und entwickeln Lösungsansätze innerhalb der Sozialen Arbeit und vielleicht auch darüber hinaus.

Und da schließt sich der Kreis meiner Gedanken und ich komme wieder zurück zur Vorkonferenz, nun schon 2.0 für Promovierende und Promotionsinteressierte der Sozialen Arbeit, die ich mit diesem Beitrag ankündigen darf. Auch 2019 in Stuttgart wird der Austausch, die kollegiale Beratung und das knüpfen von Kontakten wieder im Zentrum stehen – so viel sei schon mal verraten. Im Fokus stehen die Forschungsideen und -projekte des „wissenschaftlichen Nachwuchses“, die gemeinsam diskutiert und weiterentwickelt werden sollen. Wir sind schon jetzt mehr als neugierig auf die Promotionsvorhaben, Fragen und Anregungen, die mit- und eingebracht werden.

Das Thema der Jahrestagung der DGSA „Wandel der Arbeitsgesellschaft – Soziale Arbeit in Zeiten von Globalisierung, Digitalisierung und Prekarisierung“ wird uns am Rande auch beschäftigen. Wieso, weshalb, warum und wie, diese Fragen bleiben vorerst offen, lassen Raum für kreatives Nachdenken und werden sich spätestens am 25. und 26. April 2019 in Stuttgart klären, wenngleich im Sinne der Wissenschaft: wohl nie vollständig.

 

Weitere Infos und den Call zur Pre-Con 2019 gibt es hier!

 

Eva Maria Löffler, M.A. Soziale Arbeit

Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Fachgebiet für Lebenslagen und Altern, Institut für Sozialwesen, Universität Kassel

Mit-Organisatorin der Vorkonferenz im Rahmen der DGSA Jahrestagung 2019