Sukzessive Methodenentwicklung statt Sauen durchs Dorf treiben!

Die Rhetorik darüber, dass Arbeitsweisen der Sozialen Arbeit verbrannt sind, ist letztlich ein Element der Deprofessionalisierung der Praxis Sozialer Arbeit. Sie verhindert, dass die Praxisprobleme – die in jedem Ansatz der Sozialen Arbeit zu finden sind – systematisch in den Blick genommen werden und ein kontinuierlicher Prozess der Methodenentwicklung betrieben wird. Die Fachgruppe Case Management in der Sozialen Arbeit (DGCC/ DGSA) hat sich zum Ziel gesetzt, dass Case Management klarer in sozialarbeitswissenschaftlichen Theorien und Theoriediskursen einzubetten. Darüber hinaus sehen wir uns als ein Ort, an dem die Praxis und Praxisprobleme des Verfahrens diskutiert werden können, mögliche fachliche Entwicklungen ihren Raum finden und auch Forschungen zum Thema einen Platz haben bzw. initiiert werden können.

 

Soziale Arbeit und damit auch Case Management ist international zu diskutieren

Eine Diskussion von Case Management im Rahmen einer wissenschaftlichen Fachgesellschaft, die sich ausschließlich auf Deutschland bezieht, scheint uns zu eindimensional. Case Management in der Sozialen Arbeit gehört zum internationalen Diskurs der Disziplin und der Profession. Aus unserer Sicht ist die Fachgruppenarbeit daher in einem ersten Schritt – mindestens – im deutschen Sprachraum zu verorten. Hilfreich ist hier sicher, dass die Verbindungen zwischen den Kolleginnen und Kollegen aus Österreich und der Schweiz gut und eng sind und die Fragen der Praxisumsetzungen sich durchaus ähneln. Die Einladung an die Fachgruppe Case Management in der Sozialen Arbeit (DGCC/ DGSA) – vertreten durch Corinna Ehlers und Matthias Müller – auf der ogsaTAGUNG2017 „Ansprüche“ 3. Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Sozialen Arbeit (OGSA) vom 27. bis zum 28. März 2017 an der FH St. Pölten kam daher wie gerufen. Wir wurden gebeten, ein Inputreferat zum Case Management in der Sozialen Arbeit in Deutschland zu halten. Für uns war es eine gute Möglichkeit die zuvor genannten Anliegen der Fachgruppe umzusetzen.

 

Die Fachgruppe Case Management der OGSA gibt sich den Startschuss

Auf der ogsaTAGUNG2017 haben sich österreichische Kolleginnen und Kollegen zusammengesetzt, um sich der Frage zu widmen, ob es an der Zeit ist, eine Arbeitsgemeinschaft (AG) Case Management zu gründen. Dafür wurde sich in einem fünfstündigen Panel die Zeit genommen, Inhalte zu platzieren, die das Case Management in der Sozialen Arbeit beleuchten und diese zu diskutieren. Die inhaltlichen Beiträge thematisierten:

·        Ein studentisches Forschungsprojekt der FH St. Pölten zum Stand Umsetzung des Case Management in der österreichischen Praxis unter der Leitung von Karin Goger (FH St. Pölten).

·        Die Vorstellung einer Case Management-Plattform mit dem Ziel, die Vernetzung in der Praxis voran zu bringen, ein Ort zum Einstellen von Case Management-Themen zu haben und Face to face Treffen zu organisieren sowie die Diskussion von Fällen zu ermöglichen. (Julia Prodinger; Claudia Scardelli; Case Management Plattform) (http://www.cm-plattform.at/)

·        Ein umfangreiches Projekt der Case-Management-Implementierung in der Kinder und Jugendhilfe in Kärnten in seinem Konzept und seinen Realisierungsmöglichkeiten kenne zu lernen. (Peter Pantucek-Eisenbacher; FH St. Pölten) (http://www.pantucek.com/texte/201401fachkonzept.pdf)

·        Die Vorstellung der Arbeitsgruppe Case Management in der Sozialen Arbeit in Deutschland sowie deren Überlegungen zu einem sozialarbeiterischen (social work) Case Management. (Corinna Ehlers; HAWK Hildesheim, Matthias Müller; Hochschule Neubrandenburg)

 

Im abschließenden Panel konstituierte sich die Arbeitsgemeinschaft Case Management der OGSA. Erste Themen, Aufgaben und Fragestellungen wurden zusammengetragen und eine Zusammenarbeit mit der Fachgruppe Soziale Arbeit (DGCC/ DGSA) wurde ausdrücklich gewünscht. 

 

Internationaler Fachtag 2017 in Berlin

Die Fachgruppe Case Management hat im Jahre 2016 einen internationalen Fachtag etabliert (Teilnehmer aus Deutschland, England, Schweiz). Dieses Format wollen wir verstetigen und uns auch am 22. September 2017 wieder zu unterschiedlichen Themen des Case Managements in der Sozialen Arbeit austauschen. An diesem Treffen werden dann auch einige Kolleginnen und Kollegen aus der neu gebildeten AG Case Management der OGSA teilnehmen können. Mittelfristig werden wir an einer weiteren Ausgestaltung von Sozialarbeiterischen (social work) Case Management arbeiten. Interessierte sind wie immer herzlich willkommen. Kontakt: Corinna Ehlers: corinna.ehlers@t-online.de oder Matthias Müller: mueller@hs-nb.de


Prof. Dr. Corinna Ehlers und Prof. Dr. Matthias Müller